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Projektentwickler in der Zinsfalle: Warum so viele Bauträger seit 2023 aufgeben mussten

Steigende Zinsen, teure Baustoffe, vorsichtige Banken: Eine ausführliche Analyse, wie das Geschäftsmodell der Projektentwicklung ins Wanken geriet – und welche Lehren die Branche zieht.

Von der Redaktion28. Oktober 20265 Min. Lesezeit

Über ein Jahrzehnt lang war die Projektentwicklung in Deutschland ein Wachstumsgeschäft. Niedrige Zinsen, steigende Immobilienpreise und eine hohe Nachfrage nach Wohnraum machten fast jedes Projekt rechenbar. Mit der Zinswende ab 2022 kippte dieses Umfeld innerhalb weniger Monate. Diese Analyse zeigt, warum gerade Bauträger und Projektentwickler so hart getroffen wurden.

Das Geschäftsmodell

Projektentwickler kaufen Grundstücke, schaffen Baurecht, errichten Gebäude und verkaufen sie an Endkunden oder institutionelle Investoren. Finanziert wird das typischerweise zu einem großen Teil mit Fremdkapital: Grundstücks- und Baukredite von Banken, ergänzt durch Mezzanine- und Nachrangkapital. Der Gewinn entsteht erst beim Verkauf – oft Jahre nach dem Grundstückskauf.

Die Zinswende als Doppelschlag

Der Anstieg der Leitzinsen traf die Branche doppelt. Erstens verteuerten sich die Finanzierungen der laufenden Projekte. Zweitens sanken die Preise, die Käufer zu zahlen bereit waren: Höhere Bauzinsen schränkten private Käufer ein, und institutionelle Investoren verlangten wegen der gestiegenen Anleiherenditen höhere Mietrenditen – was bei gleichen Mieten niedrigere Kaufpreise bedeutet. Viele Projekte, die zu den Preisen von 2021 kalkuliert waren, rechneten sich nicht mehr.

Hinzu kamen stark gestiegene Baukosten. Das Statistische Bundesamt verzeichnete 2022 bei den Baupreisen für Wohngebäude die höchsten Zuwächse seit Jahrzehnten.

Die Insolvenzwelle

Ab 2023 meldete eine Reihe bekannter Projektentwickler Insolvenz an, darunter Gesellschaften der Düsseldorfer Gerch Group und der Nürnberger Project Immobilien. Im November 2023 beantragte in Österreich die Signa Holding des Investors René Benko Insolvenz – der größte Fall dieser Art in der Geschichte des Landes, mit erheblichen Auswirkungen auf Großprojekte in Deutschland wie den Elbtower in Hamburg, dessen Bau zum Stillstand kam. Das Statistische Bundesamt verzeichnete im Baugewerbe insgesamt deutlich steigende Insolvenzzahlen.

Neubau bricht ein

Die Folgen zeigen sich in der Bautätigkeit. Laut Destatis wurden 2023 rund 260.000 Wohnungen genehmigt, gut ein Viertel weniger als im Vorjahr; 2024 sank die Zahl erneut auf rund 216.000. Das politische Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr rückte damit in weite Ferne. Das ifo Institut meldete über lange Zeit einen hohen Anteil an Wohnungsbauunternehmen, die über Stornierungen klagten.

Die Rolle der Banken

Die Deutsche Bundesbank und die EZB haben in ihren Finanzstabilitätsberichten wiederholt auf die Risiken im Gewerbeimmobiliensektor hingewiesen. Banken wurden bei neuen Projektfinanzierungen deutlich vorsichtiger, verlangten mehr Eigenkapital und höhere Vorverkaufsquoten. Für viele kleinere Entwickler war die Finanzierungslücke kaum zu schließen.

Wie die Branche reagiert

Überlebende Unternehmen haben ihr Geschäft angepasst: weniger spekulative Projekte, mehr Kooperationen mit kommunalen Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften, serielles und modulares Bauen zur Kostensenkung sowie eine stärkere Ausrichtung auf Sanierung im Bestand. Mit den Zinssenkungen der EZB ab Juni 2024 hat sich die Lage leicht entspannt, ohne dass die Branche auf das Niveau von 2021 zurückgekehrt wäre.

Einordnung

Die Krise der Projektentwickler zeigt, wie empfindlich hoch fremdfinanzierte Geschäftsmodelle auf Zinsänderungen reagieren. Für Anleger, Banken und Kommunen gilt: Die Solidität eines Entwicklers bemisst sich an Eigenkapital, Vorvermarktung und Finanzierungsstruktur – nicht an Renderings. Die Daten sind in den verlinkten Quellen nachprüfbar.