MARKTWERT
en
Unternehmen

Bankenbeben 2023: Was vom Fall der Silicon Valley Bank und der Credit Suisse bleibt

Zwei Bankenpleiten in zwei Wochen erschütterten 2023 die Finanzwelt. Eine detaillierte Rekonstruktion anhand der Berichte von Aufsicht und Notenbanken.

Von der Redaktion26. Oktober 20265 Min. Lesezeit

Im März 2023 geriet das internationale Bankensystem binnen weniger Tage unter Druck. In den USA brach die Silicon Valley Bank zusammen, in der Schweiz musste die traditionsreiche Credit Suisse in einer staatlich organisierten Rettung von der UBS übernommen werden. Diese Rekonstruktion stützt sich auf die offiziellen Berichte der beteiligten Behörden.

Silicon Valley Bank: Zinsrisiko und Bank-Run

Die Silicon Valley Bank (SVB) hatte hohe Kundeneinlagen, vielfach von Technologie-Start-ups, in langlaufende Anleihen investiert. Mit dem steilen Zinsanstieg verloren diese Papiere deutlich an Wert. Als die Bank Verluste aus Wertpapierverkäufen bekannt gab, zogen Kunden binnen kurzer Zeit massiv Einlagen ab. Am 10. März 2023 wurde die Bank geschlossen und die Einlagensicherung FDIC als Verwalter eingesetzt.

Am 12. März 2023 erklärten Finanzministerium, Federal Reserve und FDIC, dass alle Einlagen – auch oberhalb der gesetzlichen Sicherungsgrenze von 250.000 US-Dollar – geschützt würden. Die Fed schuf zudem eine neue Liquiditätsfazilität für Banken. Im April 2023 veröffentlichte die Federal Reserve einen eigenen Untersuchungsbericht, der auch Versäumnisse der Aufsicht benannte.

Credit Suisse: Vertrauensverlust nach Jahren der Skandale

Die Credit Suisse war bereits zuvor durch eine Reihe von Verlusten und Skandalen geschwächt, darunter der Zusammenbruch des Family Office Archegos und die Greensill-Fonds 2021. Im Herbst 2022 und erneut im März 2023 kam es zu erheblichen Mittelabflüssen. Die Schweizerische Nationalbank stellte Liquidität bereit, doch das Vertrauen kehrte nicht zurück.

Die Rettung am Wochenende

Am 19. März 2023 gaben der Bundesrat, die FINMA und die SNB die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS bekannt. Der Kaufpreis betrug rund drei Milliarden Franken. Die FINMA ordnete die vollständige Abschreibung von sogenannten AT1-Anleihen der Credit Suisse im Volumen von rund 16 Milliarden Franken an – eine Entscheidung, die international für Diskussionen und Klagen von Investoren sorgte. Der Bund und die SNB stellten umfangreiche Garantien und Liquiditätshilfen bereit.

Die Folgen

Die UBS schloss die Übernahme im Juni 2023 ab und ist seitdem mit Abstand die größte Bank der Schweiz. Der Bundesrat legte 2024 einen Bericht zur Bankenstabilität vor, der unter anderem strengere Eigenkapitalanforderungen für systemrelevante Banken vorsieht. In den USA wurden Regeln für mittelgroße Banken intensiv überprüft.

Was Unternehmen daraus lernen können

Für Unternehmen machte die Krise ein oft vernachlässigtes Risiko sichtbar: die Konzentration von Liquidität bei einer einzigen Bank. Viele SVB-Kunden hatten ihre gesamten Betriebsmittel dort gehalten. Treasury-Abteilungen verteilen seitdem Einlagen breiter und prüfen die Bonität ihrer Bankpartner genauer.

Einordnung

Beide Fälle zeigten, wie schnell sich ein Bank-Run im digitalen Zeitalter entwickeln kann. Sie stehen zugleich für unterschiedliche Ursachen: Bei der SVB dominierte das Zinsänderungsrisiko, bei der Credit Suisse ein über Jahre aufgebauter Vertrauensverlust. Die Behördenberichte unten bieten vertiefende Details.